Mit dem Mietwagen erkundeten wir Nord-Madeira: vom geschlossenen Teleférico da Rocha do Navio über den Véu da Noiva bis zu den rauen Vulkanbecken von Seixal.

Tschüss Taxi, hallo Haarnadelkurven

Manche Reisetage laufen genau nach Plan. Dieser gehörte nicht dazu. Wir tauschten Busse, Taxis und Apps in Funchal gegen die Freiheit eines Mietwagens – und zahlten sofort den Preis dafür: Schon in den ersten Stunden saßen wir auf einer der kurvigsten und anstrengendsten Strecken der Insel.

Mein ehrlicher Rat: Wenn möglich, beginnt nicht ausgerechnet auf den schwierigsten Straßen, während ihr euch noch an das Auto gewöhnt. Wir taten es trotzdem und nahmen die Ostroute über Machico. Die Landschaft entschädigte uns für jede Kurve.

Erster Halt: Miradouro da Rocha do Navio

Unser erstes Ziel war die bekannte Seilbahn Rocha do Navio in Santana, die hinunter zur Fajã führt. Vor Ort kam die Überraschung: Der Betrieb war eingestellt, also blieb uns nur der Aussichtspunkt.

Enttäuschend? Ein wenig. Trotzdem lohnte sich der Halt. Die vulkanischen Steilwände über dem Atlantik waren eindrucksvoll genug, um ein eigenes Reiseziel zu sein. Madeira zeigt einem immer wieder, dass die Strecke oft genauso viel bietet wie das geplante Ziel.

💡 Tipp: Prüft vor der Anfahrt, ob die Seilbahn tatsächlich fährt. Wir erfuhren erst vor Ort von der Schließung.

Zweiter Halt: Miradouro do Véu da Noiva

Weiter ging es zu einem der bekanntesten Motive Madeiras. Véu da Noiva bedeutet „Brautschleier“ – ein passender Name für den Wasserfall, der wie ein vom Wind bewegter Schleier an der Felswand zum Meer fällt.

Véu da Noiva fällt an der Steilküste in Richtung Atlantik

Vulkanische Steilküste und blauer Atlantik im Norden Madeiras

Alte Küstenstraße in den Felsen Nord-Madeiras

📍 Der Aussichtspunkt liegt an der alten ER101 zwischen São Vicente und Seixal. Teile der früheren Straße sind nach Erdrutschen gesperrt, was die Kulisse noch dramatischer macht.

🕒 Plant etwa 20 bis 30 Minuten ein. Der Besuch und der angrenzende Parkplatz sind kostenlos.

Als Fotograf hätte ich hier mein Teleobjektiv dabeihaben sollen. Der Wasserfall liegt recht weit entfernt; mit bloßem Auge oder einem Weitwinkel gehen viele Details verloren.

Dritter Halt: die Naturbecken von Seixal

Schon vom Véu da Noiva aus sahen wir den schwarzen Strand und die Lavafelsen von Seixal. Doch die Flut stand hoch und die Wellen wirkten ehrlich gesagt einschüchternd. Wir strichen den Strand und versuchten unser Glück an den Naturbecken.

Naturbecken von Seixal bei starkem Wellengang

Badende in den vulkanischen Becken von Seixal

Dunkle Lavafelsen rund um das grüne Wasser von Seixal

Vergesst ein ruhiges Hotelbecken. Wenn der Atlantik auf die Felsen trifft, fühlt es sich an, als würde man während eines Sturms in einem Vulkankrater schwimmen. Wer ein wenig Adrenalin mag, ist hier richtig. Wegen unserer späten Ankunft blieb allerdings kaum Zeit im Wasser.

Der Eintritt ist kostenlos. In der Umgebung gibt es kostenlose und kostenpflichtige Parkplätze. Toiletten und Duschen des Clube Naval do Seixal kosten ungefähr 1 bis 2 Euro; außerdem gibt es dort eine Bar.

Poças das Lesmas: vom Meer gesperrt

Wir wollten noch zu den ruhigeren Poças das Lesmas mit ihrem natürlichen Steinbogen. Der Wellengang machte den Zugang jedoch unsicher. Also setzten wir uns an die Bar, bestellten etwas und genossen die Sonne. Manchmal ist Plan B genau das, was ein Reisetag braucht.

Naturbogen bei den Poças das Lesmas unter rauer See

Wenn Madeiras Wetter entscheidet

Eigentlich wollten wir noch zu den größeren, erschlossenen Becken von Porto Moniz. Doch Madeiras Wetter folgt seinem eigenen Plan, und Regen beendete unseren Tag früher als gedacht. Porto Moniz muss bis zum nächsten Besuch warten. Auf dieser Insel ist ein flexibler Plan besser als ein perfekter.

Was ich heute anders machen würde

1. Zwei Unterkünfte wählen. Wir blieben aus Kostengründen ausschließlich in Funchal. Die Fahrt von Süden nach Norden kostet auf kurvigen Straßen aber viel Zeit. Ideal wäre eine Basis im Süden und eine zweite in São Vicente oder Santana.

2. Wirklich früh starten. Durch unsere späte Ankunft trafen wir auf mehr Menschen und weniger stabiles Wetter. Im Norden verschwindet die Sonne hinter den Bergen zudem früher.

3. Das Wetter laufend beobachten. Madeira besitzt mehrere Mikroklimata. Während in Funchal die Sonne scheint, kann es in Seixal regnen. Wetterdienste und die Insel-Webcams von Netmadeira sind deshalb sehr hilfreich.

Fahrt durch Kurven und Tunnel auf Madeira

Grüne Hänge und hohe Berge im Norden Madeiras

Nebel über den Bergen Nord-Madeiras

4. Gezeiten und Wellengang prüfen. Das war unser teuerster Planungsfehler. Wegen der rauen See fielen der schwarze Strand und Poças das Lesmas aus, und auch in Seixal konnten wir kaum baden. Mitten im Atlantik ist das Meer nicht immer freundlich – prüft deshalb vorab Gezeiten- und Wellenvorhersagen.

Häufige Fragen zu Nord-Madeira

Kann man den Norden an einem Tag ab Funchal erkunden?

Ja, aber die Fahrten nehmen einen großen Teil des Tages ein. Wenn der Norden für euch Priorität hat, übernachtet mindestens einmal in São Vicente oder Santana.

Braucht man ein Auto?

In der Praxis ist es sehr hilfreich. Busse fahren, doch die Verbindungen sind begrenzt und die Sehenswürdigkeiten liegen weit auseinander. Mit dem Auto könnt ihr zusätzlich an spontanen Aussichtspunkten halten.

Sind die Straßen gefährlich?

Nicht grundsätzlich, aber sie verlangen Konzentration: enge Kurven, Tunnel, schmale Abschnitte und starke Steigungen. Gewöhnt euch möglichst zuerst auf einfacheren Straßen an den Mietwagen.

Seixal oder Porto Moniz?

Seixal ist wilder, kostenlos und weniger erschlossen. Porto Moniz bietet größere, organisierte und kostenpflichtige Becken. Bei gutem Wetter lassen sich beide an einem Tag verbinden.

Lohnt sich Nord-Madeira?

Ganz klar: ja. Ihr solltet nur wissen, worauf ihr euch einlasst.

Unvergesslich waren die Landschaften, der Véu da Noiva über dem Atlantik und das Gefühl, in Seixals „Vulkankrater“ zu schwimmen. Gegen uns arbeiteten die geschlossene Seilbahn, die hohe Flut, der Regen und die verlorene Fahrzeit ab Funchal.

Die Bilanz blieb positiv. Nord-Madeira passt nicht zu einem minutengenauen Reiseplan. Hier gibt die Natur den Takt vor – und genau deshalb bleibt die Region im Gedächtnis.

Rauer Atlantik an den vulkanischen Felswänden von Seixal

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